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Ukraine RIDE 31.03.2018

Deutschland erreichen wir mitten in der Nacht, der Schlaf ist unruhig und wenig erholsam. Mittags kommen wir - sogar früher als geplant - in Frankfurt an, die Reise ist vorüber. Eine Woche voller Erlebnisse, Eindrücke, Emotionen. Nun steht der Alltag bevor. Und das Warten inklusive Vorbereiten auf das Sommercamps und den nächsten RIDE.

Geschrieben am 02 Apr 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 30.03.2018

Es ist ein regnerischer Morgen, passend zu unserem Abschied weint der Himmel. Ein paar Jugendliche sind trotz der frühen Uhrzeit und der teilweise langen Wege gekommen. Wir erhalten Geschenke - obwohl wir eigentlich geben wollen. Und das Gefühl, dass wir viel zu kurz hier waren, breitet sich wieder stärker aus.

Nicht lange nachdem wir aufgebrochen sind, ziehen Pferdekutschen an unseren Fenstern vorüber. Einzelne Häuser stehen am Wegesrand, ansonsten sehen wir eine karge Umgebung. Nur selten wird das - auch durch den Regen bedingte - trostlose Bild durch eine Kapelle oder andere religiöse Einrichtung unterbrochen. Es ist auffällig, dass die kirchlichen Bauten die schönsten des jeweiligen Ortes sind.

Woran man merkt, dass wir müde sind? Vielleicht daran, dass zeitweise 6 von 8 Leuten die Augen geschlossen haben. Nur Fahrer und Beifahrer können sich das nicht erlauben. Jazzmusik erklingt, als wir mit dem Kleinbus andere Autos überholen.

In Lviv teilen wir uns auf, erkunden kurz die Stadt, um uns zur Mittagszeit in einem Restaurant einzufinden. Hier gilt: Mit den Händen große Mengen Fleisch essen, dazu entsprechende Beilagen und das passende Ambiente. Es ist laut, hektisch und schmackhaft. Doch irgendwann müssen wir aufbrechen. Wir wollen noch etwas von Lviv sehen. Manche gehen auf den Markt, andere treffen sich mit einem einheimischen Tonkünstler. Um 15 Uhr heißt es Abfahrt am Busbahnhof - und damit endgültig Abschied nehmen von unseren ukrainischen Freunden.

17:00 Uhr Ortszeit, wir erreichen den Grenzpunkt Krakowiec. Nach knapp vier Stunden verlassen wir die Grenze und fahren nun durch Polen. Mit Wehmut im Herzen und den Fernseher mit sehr seltsamen russischen Serien vor Augen geht es gen Heimat.

Geschrieben am 02 Apr 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 29.03.2018

Nachdem der gestrige Morgen - und die Nacht zuvor - für Schnee sorgte, der das weite Land in eine weiße Schneedecke hüllte, schneit es heute Morgen nur leicht. Alles läuft langsamer ab, das Frühstück verspätet sich, die Morgenrunde ebenfalls - die letzten Tage machen sich bemerkbar. Doch wir wissen auch, dass wir nur noch wenig Gelegenheit haben hier zu dienen und so wollen wir die verbleibende Zeit bestmöglich nutzen.

Heute steht der Besuch der nächstgrößeren Stadt, Novovolynsk, an. Es geht in das dortige - christliche - Kinderheim. Die Atmosphäre ist spürbar besser als im Kinderheim von Ivanychi. Wir spielen mit der Eisenbahn, Fußball (draußen wäre im Sommer ein richtiger Fußballplatz!) oder anderes und verbringen Zeit mit ihnen. Auch dürfen wir das Anspiel aufführen, was sehr gut gelingt. Die Musik des Anspiels wird Tag für Tag mehr zur Hymne des diesjährigen RIDEs. Die Melodie ertönt immer wieder im Hintergrund, sei es ein Mitsummen, kurze Wortfetzen oder das Mitpfeifen.

Nach dem Aufenthalt im Kinderheim geht es zu Fuß zu einem empfehlenswerten Café (Novik Café). Dort treffen wir auf die Mitarbeiter der Kinderstation, bei denen wir uns bedanken wollen. Das Essen ist sehr gut, wir unterhalten uns, segnen einander. Und dann geht es schon wieder zurück. Kaum haben wir das Café verlassen, treffen wir auf einen Amerikaner und seinen ukrainischen Freund. Er kennt Mimi und noch jemanden, die kurze Unterhaltung ist erfrischend.

Dann sind wir in den Autos und fahren in halsbrecherischer Fahrt durch das Dunkel der Nacht von Novovolynsk nach Ivanychi. Die Straße leicht uneben, die zwei Spuren inklusive Gegenrichtung werden in vier Spuren verwandelt, bei Gegenverkehr weicht man kurz vorher den Lichtern aus. Zeit, um ein paar Zeilen zu verfassen. Und für Gespräche. Ein RIDE schweißt die Teilnehmer zusammen, Freundschaften entstehen oder werden gefestigt. Man ist zwar zum Dienen hier, aber bekommt selbst so viel geschenkt.

Der letzte Abend in Ivanychi, die letzte abendliche Runde, so manch einer würde am liebsten direkt ins Bett. Wir halten es kurz, morgen geht es früh los.

Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 28.03.2018

Die morgendliche Runde dauert länger als gewöhnlich; es gibt viele Anliegen, viel Gebet. Man teilt seine Gedanken, sein Leben. Steht für andere ein. Und dankt Gott mit Liedern. Wir schöpfen Kraft und gehen gestärkt in den Tag.

Zuerst geht es ins Kinderheim. Für die meisten ein trostloser Ort. Dieses Jahr sind die Kinder leider nicht da, was die Lage nicht unbedingt verbessert... Trotz der für deutsche Verhältnisse schlechten Umstände geht es den Kindern hier besser als zu Hause - doch es bleibt der Gedanke, dass diesmal den Kindern ein Hoffnungsschimmer, ein kleines Licht verwehrt bleibt. Ausgerechnet in der einen Woche, in der wir hier sind, werden die Kinder in die Ferien geschickt. Zufall, ein fieser Plan? Wir können nur Vermutungen anstellen.

Der Weg zurück wird per Fußmarsch absolviert, bei unserer Ankunft sind bereits Kinder da. Spielen (ein neuer Kicker ist diese Woche gekommen!), Spaß haben, Zeit verbringen. Ganz einfach. Und doch so bedeutend. Kurz zweimal das Anspiel proben, bevor die Kinder fertig mit essen sind. Waffeln backen und dabei Lieder aus Kindheitstagen singen, Workshops, Spiele und mehr - der Nachmittag verfliegt erneut. Vor allem weil wir kurzfristig den Ablauf ändern müssen: Morgen können die Kinder nicht kommen. Ein harter Schlag, Enttäuschung auf allen Seiten. Aber es geht nicht anders, es wird den Tag über kein Wasser geben. Die Verabschiedung ist teilweise sehr ausgiebig, sprich: Die Kinder verabschieden sich, gehen zum Gartentor, rennen zurück, verabschieden sich, kommen ein paar Minuten später mit der Mutter wieder und verabschieden sich zum letzten Male.

Abends folgt der Gottesdienst. Das Anspiel verläuft sehr gut, das Thema ist „Let your life be the proof of your love“. Nach der Predigt durch Sascha kommen Personen vor, damit für sie gebetet wird. Darunter gestandene Männer, die nicht so einfach ihre Fassade fallen lassen. Berührende Momente. 

Danach gibt es Häppchen und Tee, dazu Gespräche, Gebet und Selfies. Wir erweitern das Spiel „Kommando Bimberle“ in eine Bauchschmerzen-durch-Lachen-hervorbringende Version.

Die Reflektionsrunde beschließt den Abend; wir sind müde, es gibt sehr viele Eindrücke und viel zu wenig Zeit. Und dennoch: Es ist gut. Wir bekommen immer wieder die Kraft, das Notwendige zu tun. Um die Welt zu verändern.
 
Als kleines Extra folgt ein fantastischer (in mühevoller Arbeit selbst verfasster) Song zweier RIDE-Teilnehmerinnen (Ergebnis, wenn zwei Mädels um Mitternacht noch die Duschen usw. putzen sollen und eventuell leicht übermüdet sind…). Melodie zu einem bekannteren Kanon. Aufgrund der Copyrights wird dieser nicht weiter erwähnt:

Schwester Sabine, Schwester Sabine,
Ovomaltine, Ovomaltine
hast Du keinen Hunger, hast Du keinen Hunger,
Mjam, mjam, mjam. Mjam, mjam, mjam.

Vater Alfred, Vater Alfred, 
kalbt die Kuh, kalbt die Kuh
Ja sie kalbt im Nu, ja, sie kalbt im Nu
Muh, muh, muh. Muh, muh, muh.

Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 27.03.2018

An diesem Morgen steht das Altersheim auf dem Programmpunkt. Mit zwei Koffern gepackt und im Bus "Laurentia" singend und dabei fallend geht es los.
Der erste Raum war noch befremdlich… ein unangenehmer und drückender Geruch. Etwas, an das man sich gewöhnen muss. Menschen, die vor einem sitzen, die man teilweise vom Vorjahr kennt. Man hält die Luft an, traut sich nicht, einen weinenden Mann zu trösten oder zu berühren. Zwei Lieder, die die Stimmung fröhlicher scheinen lässt. Nur einer traut sich zu beten. Sie erhalten ihre Geschenke: Handtücher, Shampoos, Schokolade, Zahnbürste und Socken. Schnell geht es in den nächsten Raum. Verwunderung – zwei bekannte Frauen fehlen, statt ihnen drei Männer. Einer ist 50 Jahre alt und leidet unter Diabetes. Mittlerweile ist der erste Schock verdaut und die drückende Stimmung legt sich ein wenig… für den Mann wird gebetet. Er bittet um ein Wunder. Und wir machen ihm klar, dass Gott jemand ist, der mit uns mit leidet. Wir sind in unserem Körper gefangen, aber in Gott sind und werden wir frei sein.

Der uns bekannte jüngere Mann, der von einem Baum getroffen und seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt ist, zeigt uns das erste Mal sein Gesicht. Vor zwei Jahren bedeckte er sich noch vollständig mit seiner Decke vor Scham. Letztes Jahr sah ich nur seinen Hinterkopf und glaubte, dieses traurige Bild nie wieder vergessen zu können. Doch dieses Jahr war er halb aufgerichtet, sprach mit Maria und ließ erneut Gebet zu. Neben ihm die Hantel, mit der er die Arme trainiert. Vielleicht kann er irgendwann in die Reha. Vielleicht kann er sogar irgendwann wieder arbeiten. Träume dürfen in einem leben… und wenn sich jemand um den Papierkram kümmert und Geld da ist, damit wenigstens der Weg in Richtung Reha frei geräumt ist, dann dürfen Träume auch tatsächlich beginnen, gelebt zu werden. Dafür sind sie nämlich da. Nur leider verlieren viele Menschen sie zu schnell aus den Augen, wenn Hoffnungslosigkeit überwiegt.

Am Nachmittag wurden alle Kinder zusammengerufen, die im Sommer mit aufs Camp kommen dürfen. Die am Vortrag erlernten Knoten und Bünde konnten ganz praktisch bei dem Bau von Esstischen angewendet werden. Dies brachte den Kindern viel Spaß, die sich die Techniken gegenseitig erklärten und allmählich eine Vorstellung erhielten, wie die große Reise nach Deutschland aussehen könnte. Es war unglaublich für uns alteingesessene und allmählich abgestumpfte Rangerleiter, diese neue Motivation und Begeisterung für Bauten zu erleben. Danach wurde mit einem Video, Liedern wie Bärenstark oder Hula Hula Halleluja, einer Einführungsgeschichte und Erzählungen auf das Camp heiß gemacht. Sie haben mit einer unglaublich ansteckenden Energie und Euphorie gesungen und die Bewegungen nachgeahmt, was zur ersten echten Vorfreude aufs Camp führte. Aber was ist dort genau geplant? Mehr durch Zufall und ein halbes Missverständnis kam die Idee auf, die ukrainischen Kinder nach Deutschland einzuladen. Es grenzt an Wahnsinn und wie so schön gesagt „eine wirtschaftliche Katastrophe“. 30 Kinder und Jugendliche dürfen vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben die Ukraine verlassen. Sie wissen nicht, was kommt, wie es wird, wer sie erwartet, welche Eindrücke auf sie zukommen. Sie fragten selbst, ob es Insekten gäbe oder Handyempfang, ob wir auf einer Insel wären und wie es mit dem Schwimmen und Kanufahren aussieht. Einiges davon wissen wir selbst nicht. Aber wir vertrauen Gott, dass er trotz den Schwierigkeiten und Herausforderungen um die Organisation eine wunderbare Woche schafft und Erlebnisse, die all dies wert sind. Und allein dieses Treffen hat uns gezeigt, wie wundervoll die Begegnung zwischen Deutschen und Ukrainern sein wird. Wir, die nach Nezabudka kommen, erleben diese neue Welt und die Einzigartigkeit des Ortes. Durch das Camp können wir dieses Gefühl vielen weiteren zeigen und womöglich neue Ranger anstecken und Funken für den Ride entzünden.

 

Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 26.03.2018

Montagmorgen in einem kleinen Ort der westlichen Ukraine. Der Frühstückstisch ist gedeckt, kurz nach 8 Uhr sind alle wach. Wir fühlen uns wohl, Lachen erfüllt den Raum. Und die Zeit vergeht ein wenig zu schnell. Doch Zeit für Lobpreis, einen kurzen Impuls und Gebet haben wir. Und dann geht es los; Holz organisieren, Schnüre schneiden, Farben mischen, Zettel mit „бог любить теье бог i теье не zабуде.“ (Gott liebt dich und wird dich nie vergessen) und weitere Workshops vorbereiten. Es ist viel zu tun, fühlt sich jedoch nicht nach Arbeit an. Wir sind hier, um die Welt ein kleines bisschen zu verändern. Nicht mit großen Worten, nicht mit Unmengen an Geld, sondern mit Liebe, mit einer Berührung, einem Lächeln. Mit Zeit. Wir sind da.

Doch zurück zu dem Vormittag: Sechs Männer ziehen los, Holz für die Workshops holen. So einfach, so Vieles zu erleben. Unser Fahrer fährt zunächst bei einer Frau vorbei, die Hilfe benötigt. Ihr kleiner Sohn hat sie aus Versehen ausgesperrt und nun stehen die Helfer mit Brecheisen vor der Tür. Es gelingt jedoch ohne Gewalt und wir fahren weiter. Nach zwei weiteren Stopps (Kauf dreier Beile, tanken) geht es über die wilden Straßen der Westukraine. Die Fahrt besteht fast ausschließlich aus Schlangenlinien, durch welche den größten Schlaglöchern ausgewichen wird. Dennoch muss immer wieder verlangsamt werden. Im Wald geht es dann schnell, die Stöcke landen im Bus und wir wieder in der Kinderstation.

Nun kommen die Kinder, wir können endlich Zeit mit ihnen verbringen. Spielen, Knoten und Bünde üben und das neue Wissen an Webrahmen und Wachsames-Auge anwenden. Außerdem Eier anmalen, Verstecken und Fangen spielen und ganz viel lachen. Einfach für die Kinder da sein. Dann gibt es für uns und anschließend für die Kinder Mittagessen. Nach diesem darf ein Teil von uns zu einer Familie, um den Geburtstag der Tochter zu feiern. Es wird mehr als reichlich angeboten und große Dankbarkeit für unsere Anwesenheit gezeigt. Das Mädchen freut sich sehr auf das Camp im Sommer in Deutschland, die Mutter ist begeistert - auch wenn sie ihre Tochter vermissen wird. Draußen dürfen wir eine Kuh melken, Katzen und Kaninchen streicheln und einen Einblick in das Leben vor Ort erhalten. Die Toilette befindet sich außerhalb des Hauses. Fließendes Wasser gibt es nicht. Der Schulweg ist bei Regen und Eis kaum begehbar, geschweige denn befahrbar, ein Auto wäre sowieso nicht vorhanden. Träume und Wünsche? Haben Mutter und Tochter nicht. Vielleicht, dass die Kinder gesund bleiben mögen, meint die Mutter. Die Tochter weiß es nicht. Vielleicht eine Ausbildung zur Näherin und dann weiterbilden. Ein Studium ist aus finanziellen Gründen nicht denkbar. Und dennoch ist die Stimmung positiv.

Währenddessen kümmert sich die restliche Gruppe um die Kinder in der Station. Keine Sprachkenntnisse? Das erste Mal dabei? Es ist vollkommen egal, die Kinder schließen einen sofort ins Herz und in ihre Arme.

Nach dem Abendessen proben wir ein weiteres Mal die Pantomime, im Anschluss tauschen wir unsere Gedanken und Erlebnisse aus. Für jeden war der Tag anders und doch eint uns diese Zeit. Sie lässt uns Visionen haben, Schritte zu wagen und neue Wege zu betreten. Sei es ein FSJ, ein Besuch im Sommer oder aber die Übernahme von Verantwortung an anderer Stelle - alles ist möglich. Vieles davon würde uns prägen und unser Leben bereichern. Spannende Voraussetzungen für eine hoffentlich weltverändernde Woche.

Nachtrag:
Andrea und Maria werden von einer Frau angesprochen, die gehört hat, dass im Kinderheim Hilfe angeboten wird. Deren zwei Jahre alte Tochter ist taubstumm und es gäbe eine Möglichkeit, sie zu operieren und ein Implantat einzusetzen. Die OP-Kosten liegen aufgrund fehlender Krankenversicherung bei 30.000€. Die Rideleiterinnen wurden zu ihr nach Hause eingeladen, um die Tochter zu sehen. Und schon an diesem ersten, vollen Tag in Ivanychi geraten die beiden an ihre Grenzen. Seit so vielen Jahren gibt es die Station, sie wurde aus dem Nichts aufgebaut, es fließen Spendengelder hinein und es wird in Erziehung, Essen, Spiele, und in das Obergeschoss investiert. Außerdem werden oft Menschen in ihrer Not versorgt und Arztbehandlungen bezahlt. Der Verein gibt alles, damit die Tagesstätte weiter besteht. Aber es ist einfach kein Ende in Sicht. Es gibt immer weitere Anfragen und Nöte und bittende Hände, die es dringend benötigen. Aber was ist mit unseren Entscheidungen? Wo liegt die Grenze, ab der man nicht mehr hilft/ helfen kann? Liegt es in unserer Verantwortung, wenn das Kind nie hören wird? Wieviel sind wir weiterhin bereit, zu geben, zu investieren, Leute darum zu bitten, sich für die Kinder und den Verein einzusetzen.

Diese Fragen bringen einen in Zerrissenheit, es lässt sich kaum beantworten. Natürlich wird nach Lösungen gesucht. Aber es muss immer wieder klar werden, dass wir diese Verantwortung nicht tragen können. Wir können ja zu Gottes Plan sagen. Aber wir können diesen nicht beeinflussen… Gott weiß, was er tut. Er sieht auch unsere Sorgen. Und er meint es mit jedem gut. Er gebraucht uns, um hier Wunder zu bewirken. Und er will uns nicht schwächen und auslaugen, sondern stärken. Alleine würden wir alle Kräfte verlieren. Er ist derjenige, der uns wieder auffüllt und Mut macht. Mut, immer weiterzugehen. Sodass jeder Stolperstein zum Trittstein dient.


Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 25.03.2018

Inzwischen ist es 4 Uhr morgens. Wir erreichen die Grenze zur Ukraine und vor uns wartet bereits eine lange Schlange an Bussen und anderen Fahrzeugen. Um 5:45 Uhr dann die erste offizielle Passkontrolle. Immerhin: Wir können drinnen bleiben. Zentimeter um Millimeter um Mikrometer geht es vorwärts. Nach etlichen Unterbrechungen verlassen wir um 9:00 Uhr die Grenze. Geplant war die Ankunft in Lemberg um 7:00 Uhr.

Draußen scheint die Sonne und lässt den Schnee glitzern. Es ist warm, manch einer (ich, Andreas, 28) sitzt mit einem T-Shirt bekleidet am Fenster. Gegen 11:30 Uhr erreichen wir das Ende der Fernbus-Strecke, Lemberg. Eine schöne Stadt, die wir, wie wir ja mittlerweile gewöhnt sind, nur aus dem Busfenster erleben. Die Reise geht weiter, nun jedoch mit Kombi und Kleinbus. Über Pflastersteine und Ähnlichem durch, aus deutscher Sicht, chaotischen Verkehr.

Um 14:30 Uhr kommen wir eeeeendlich an, dezent verspätet, aber ohne größere Probleme. Die Erinnerungen an frühere Besuche kommen langsam hoch. Nach der, wie jedes Jahr, sehr freundlichen Begrüßung betreten wir das neue Dachgeschoss und sind begeistert; (nicht nur) hier hat sich Henning verewigt. Ein schöner Raum mit genug Schlafkojen für uns alle, in welchen wir sehr gut schlafen - vielleicht auch, weil wir die vorherige Nacht kaum und/oder schlecht geschlafen haben.

Dann folgt das Mittagessen, was schon an Bestechung grenzt. Nach einer Pause zum Erholen, Duschen oder Schuhe sortieren geht es mit dem Abendessen weiter. Anschließend üben wir die Pantomime für Mittwoch ein und werden mit jeder Probe besser. Zum Abschluss des Tages folgt die erste Austauschrunde. Dabei stellt sich heraus, dass viele noch nicht richtig angekommen sind. Den einen fehlen die Kinder, andere sind sehr erschöpft. Aber wir sind hier, haben die Fahrt hinter uns und freuen uns auf die kommenden Tage.


Süssigkeitenmetropole Arbeiten am Band

Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 24.03.2018

An einem kalten Samstagmorgen bricht eine Gruppe gut gelaunter Pfadfinder aus Deutschland auf, um in einem Reisebus gen Ukraine zu reisen. Sie kommen aus Dieburg, Frankfurt, Heppenheim, Langen-Erzhausen, Mühltal, Schramberg und Wiesbaden. Das Gepäck wird ohne Probleme verladen – es darf alles mit. Die erste Hürde wäre also schon mal geschafft.

Die Sonne scheint, als sich der Bus gemütlich seinen Weg durch Deutschland und seine schönsten Städte bahnt. Würzburg, Nürnberg, Dresden und Görlitz. Währenddessen Gespräche über die Liebe, Gott und die Welt. Und zwischendurch immer wieder ein Ausruf der Versorgungsstation A&S Schramberg: „Haaaaribooo, Äääääpfel, Raaavioooli – wer will???“, das mit der Zeit zunehmend verzweifelt wurde.

Kurz vor der Grenze hält uns dann die Polizei an – Passkontrolle. Keine Beanstandungen. Der erste Grenzübertritt, Polen. 19 Uhr. Elf Stunden nach der Abfahrt in Frankfurt ist die Deutschland-Tour schließlich geschafft. Und wir unserem Ziel, die Kinderstation in Ivanychi, Ukraine, einen weiteren Schritt näher.

Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator
Ukraine RIDE 07.04.2017

Woraus Helden gemacht sind
Freitag, 7. April. Unser letzter Tag in der Ukraine. Ein unbeschreibliches Gefühl. Nicht unbeschreiblich schön oder schlecht. Einfach unbeschreiblich – schwer mit Worten zu umreisen. Traurigkeit gehört dazu, denn am liebsten würde wir länger bleiben. Noch mehr Zeit mit den Kindern verbringen können. Gleichzeitig entsteht diese Traurigkeit auch, weil wir gerne MEHR machen könnten. Noch mehr Kindern die Aufmerksamkeit und Zuneigung geben, die jedem Kind zu steht. Noch mehr für ihre Belange kämpfen, dort wo sie es nicht selbst können. Mehr von dem weitergeben und teilen was wir selbst haben. Doch auch Freude gehört dazu, darüber dass viele der Kinder kurz die Schule schwänzten, um unseren Bus hinterher zu winken. Freude, über die Zeit die wir mit ihnen verbringen konnten. Freude darüber, dass wir ihnen Dinge ins Herzen legen konnten: dass sie geliebt sind und wertvoll, dass es für sie Perspektiven gibt, fernab von Alkoholismus und Prostitution. Dass es Menschen gibt die sich für sie interessieren.

Mit diesem unbeschreiblichen Gefühl fuhren wir nach Lemberg, denn von dort startete der Reisebus zurück nach Deutschland. Zum Abschluss gönnten wir uns etwas Besonderes: ein Mittagessen in einem Erlebnistheater-Restaurant. In den ehemaligen Katakomben der Unabhängigkeitskämpfer konnten wir nur mit dem richtigen Passwort eintreten. Das verspätete Mittagessen wurde zu einem wahren Spektakel: Musiker und Sänger traten zwischen den Tischen auf und sangen von Freiheit und der Liebe zur Ukraine. Zumindest behauptet das unser Übersetzer, vielleicht sagen sie aber auch über Kartoffelpüree und Schuhcreme. Aber selbst wenn, schön angehört hat es sich. Wir konnten kaum essen, denn plötzlich wurde einer unserer Ranger abgeführt. Er wurde ist das Restaurant-eigene Gefängnis geworfen und solange zu seiner politischen Einstellung gegenüber Putin befragt, bis sich alle sicher waren, dass er kein „Verräter“ sei. Um 20.00Uhr sollte unser Bus abfahren, so hatten wir noch ein wenig Zeit die Stadt zu genießen. Doch sollte wird in diesem Land ganz großgeschrieben. Wir mussten beinahe zwei Stunden warten, bis der Bus kam. Zwei Stunden in denen wir erst alle gemeinsam in der Kälte warteten, bis wir schließlich in einem Minibus uns aufwärmen konnten. Getreu der ersten blauen Zacke unseres Rangersterns „wachsam“, stürzten wir uns auf den ersten sich nahenden Bus. Leider war es der falsche. Also trugen wir unser Gepäck wieder brav zur Sammelstelle. Aber unsere Wachsamkeit hatten wieder bewiesen. Endlich konnten wir gegen 22.00 Uhr losfahren da durchfuhr uns ein riesen Schock. In einer Durchsage erklärte der Busfahrer, dass keine Milchprodukte in die EU (deren Grenze wir nach einer Stunde Fahrt erreichen sollten) importiert werden dürfen. Oh. Schreck: Unser Vesper bestand mindestens zur Hälfte aus Käsebrote! Wir konnten keine Zeit verlieren, daher hieß es essen, essen, essen! Zumindest für einen Großteil unserer Reisegruppe, den wir davon überzeugen konnten, dass auch Käsebrote unter das Importverbot fallen. Und die Butterbrote. Denn an der Grenze wartete schließlich eine Vesper-Brot-Kontolle auf uns. Vermutlich wurde noch nie in so kurzer Zeit eine solche Menge Käse verzehrt…bis wir die Grenze erreichten und unsere vollen Mägen einen weiteren Schock erlitten, auch Wurstbrote dürfen nicht importiert werden. Na gut, das war zu viel des guten. Aber unsere vollen Mägen mussten wirklich einiges durchmachen, denn der gesamte Bus musste zur Gepäckkontrolle. Nachts um 1.00Uhr. Als wir das ganze Gepäck in den Raum gebracht hatten, mussten wir nur leider 1,5 Stunden warten, bis ein Beamter anfing Pässe und Gepäck zu kontrollieren. Doch das Ganze hatte einen Vorteil, denn so ein Grenzübergang hat Toiletten. Betrachten wir das ganze also einfach als eine ausgedehnte Pippi-Pause. Alles in allem waren wir über trotz dieser Verzögerungen nur 22 Stunden unterwegs, bis wir am Samstagabend in Frankfurt ankamen. An einer Nebenstraße mitten im Getümmel des Bahnhofviertels, ging unser Abenteuer zu ende. Neue Freundschaften waren geboren, alte bestärkt und eine eindrückliche Zeit vorbei.

 

Wir haben euch von Helden erzählt. Von Menschen die unser Herzberührt haben. Helden müssen tapfer sein, stark sein, groß und tadellos. Dann können sie Großes bewirken, so ist das zumindest in den Filmen. Aber bei unseren Helden ist das anders. Sie sind nicht perfekt, sondern Menschen wie Du und ich. Jeder Held hat eine besondere Eigenschaft. Etwas, das ihn dazu bringt sich auf eine besondere Art und Weise – eben heldenhaft – zu verhalten.

Das, was all unsere Helden auszeichnet ist die Liebe: Mimi, deren Liebe zu den Kindern in der Ukraine so groß war, dass sie ihr Leben in Deutschland für sie aufgab. Die Fähigkeit über die einfachsten Dinge zu staunen, ist heldenhaft. Petje und sein bester Freund, der an sich selbst als letztes denkt um seinen Freund durchs Leben zu tragen. All die Menschen die mit Spenden die Arbeit in der Ukraine ermöglichen, die freimütig teilen was sie haben. Die Mitarbeiter von Nezabudka, die selbst kein einfaches Leben haben und trotzdem jeden Tag opfern, um der nachfolgenden Generation etwas mehr Leichtigkeit zu geben.  All unsere Helden tragen eine Liebe in sich, die menschliche Grenzen übersteigt. Mit ihrem Handeln schauen sie nicht auf sich selbst, sondern auf andere. Wenn sie etwas erhalten, so teilen sie es.

Diese Liebe macht sie zu Helden. Sie setzt ein Potenzial in ihnen frei. Einen starken sich für andere einzusetzen. Wenn wir uns zu Helden dieser Liebe machen lassen, können wir wahre Wunder erleben. Wir müssen nur vertrauen zu gehen. Auch Du und ich.

Hier noch ein paar Fotos von heute:




 

Geschrieben am 21 Apr 2017 von Administrator
Ukraine RIDE 06.04.2017

Gebrochene Kinderträume

Der letzte Tag in Ivanychi. Der letzte Tag an dem wir mit den Kindern Zeit verbringen konnten. Der letzte Tag um Helden kennen zu lernen, zu erleben – ja vielleicht selbst ein Held zu werden. Am Vormittag gingen wir wieder ins Kinderheim. Die Situation dort berührt uns als Gruppe in diesem Jahr besonders. Die Kinder lechzen nach Liebe und klammern sich an jedes Fünkchen Aufmerksamkeit. Es herrscht eine wirklich bedrückende Stimmung. Die Kinder leben in absoluter Perspektivlosigkeit. Nach der 10. Klasse müssen die Kinder das Heim verlassen. Ohne Familie die sie bei der Suche nach einer Arbeit, Wohnung oder Ausbildung unterstützt, verfallen viele in die Kriminalität. Die meisten der Mädchen werden Prostituierte nach dem Schulabschluss. Gesetzlich ist Prostitution in der Ukraine verboten, doch um auch nur an ein wenig Geld zu gelangen verfallen die meisten der Mädchen in illegale Prostitution. Doch das eigentlich Schreckliche ist: Sie sind sich dem absolut bewusst. In Gesprächen ließen die Mädchen im Heim immer wieder Sätze fallen wie „Wenn ich Prostituierte bin…“ und ähnliches. Jedes einzelne Kind in diesem Heim ist sich seiner Perspektivlosigkeit bewusst. Ein Zustand der Träume nicht einmal erst entstehen lässt. Sie alle sind ihrem Kind-sein beraubt. Da es heuet Schüttete als wäre eine Klospülung im Himmel kaputt, konnten wir unser geplantes Programm nur in der Essenshalle des Heims machen. Wir verteilten Waffeln an die Klassen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Um es in den Worten eines der Leiter zu sagen (dessen Namen wir an dieser Stelle lieber nicht erwähnen, nicht dass wir uns noch Ärger einheimsen): „Ich drehe durch. Woher soll ich wissen wer jetzt schon eine Waffel hatte? Wer hatte denn noch keine? Wir bräuchten da ne App dafür!“ Alle die gerade nicht damit beschäftigt waren den Waffel-Überblick zu behalten, trotzt deutsch-strukturiertem System war das beinahe Unmöglich, spielten mit den Kindern oder brachten ihnen ein paar Gitarren Akkorde bei. Absolut bewegend war der Abschied von den Heimkindern. Wir spielten eine Pantomime vor und zum ersten Mal war es mucksmäuschenstill in diesem Raum. Kinder die sich zuvor getreten, geschlagen und angeschrien hatten, waren plötzlich ruhig, mit ihrer Stimme und in sich selbst. Wir erzählten in einer kurzen Andacht von unserem Glauben an Jesus. Dass er jeden Menschen liebt, ohne dass dieser sich das extra verdienen muss. Die Kinder waren berührt und wünschten sich zu beten. Es war als wäre die Sonne aufgegangen in diesem Raum. Doch an diesem Tag standen noch mehr Abschiede an. Durch den starken Regen konnten wir uns auch in Nezabudka nur im Haus aufhalten. Doch die Stimmung war ausgelassen. Zum Abschied sangen wir alle gemeinsam: Die Kinder und Erzieher, wir Pfadfinder und Ride-Teilnehmer. Besonders ein ukrainisches Lied ist uns ans Herz gegangen und im Ohr geblieben. Da jeder Mensch, auch die Leser eines Pfadfinder-in-der-Ukraine-Blogs das Anrecht auf einen guten Ohrwurm haben, wollen wir diesen natürlich mit euch teilen.



Den Abend verbrachten wir mit den Mitarbeitern von Nezabudka. Wir hatten ein großartiges gemeinsames Abendessen und eine tolle Gesprächszeit. Wir wollten ihnen Gottes Segen weitergeben und so beteten wir für jeden einzelnen von ihnen. An diesem letzten Abend in Ivanychi sind sie unsere Helden. Slavik, ein Erzieher, der für viele der Kinder die Papa-Rolle übernimmt, da sie ohne Vater oder mit schwer alkoholabhängigen Vätern aufwachsen. Mimi und Sascha, deren Herz für Gott brennt. Anja, die für jeden ein offenes Ohr hat. Lessja und Irina, die Köchinnen, die Tag für Tag Festmähler zaubern. Sneshana, die Leiterin des Heims die mit viel Fingerspitzengefühl zwischen Deutschen und Ukrainern vermittelt. Natascha, die in jedes Chaos Ruhe bringt. Sie stehen jeden Tag für diese Kinder ein. Trocknen Tränen, spenden Trost und Liebe. Das was wir in dieser einen Woche hier den Kindern geben konnten, schenken sie ihnen Tag für Tag. Die Mitarbeiter von Nezabudka lieben die Kinder, als wären es ihre eigenen. Sie streiten für ihr Glück. Nur wenige Menschen werden je erfahren, was diese Menschen hier Tag für Tag großartiges leisten. Nur wenige Menschen werden ihre Werke sehen. Doch sie geben nie auf. Damit sind die Mitarbeiter von Nezabudka nicht nur heute Abend unsere Helden. Ihre Heldenhaftigkeit nehmen wir mit nach Hause. Nezabudka – Vergiss mein nicht. Das haben wir den Menschen von Ivanychi beim Abschied versprochen. Wir hoffen, dass auch ihr sie nicht vergesst.

Hier noch ein paar Fotos von heute:







 

 

Geschrieben am 07 Apr 2017 von Administrator
Ukraine RIDE 05.04.2017

Tränen rannten über Evgenia Wangen. Sie konnte nicht verstehen was wir sangen, aber nach jedem Lied bat sie uns nicht aufzuhören, sondern weiter zu singen. Sie lag auf einem schmalen Bett in einem kleinen, lieblosen Zimmer. Sie hatte uns erzählt, dass ihre Schmerzen manchmal so stark waren, dass sie nur noch zum Himmel schreien könne.

Ich wäre gerne die Heldin dieser Geschichte. Würde in diesem Blog gerne schreiben, dass ich mich zu ihr aufs Bett saß und sie in dem Arm genommen habe. Aber ich tat es nicht. Ich konnte es nicht. Am Vormittag des 5. April waren wir im Altenheim der Region Ivanychi. Doch wie so oft mussten wir lernen, dass Worte hier in der Ukraine oft eine andere Bedeutung als in Deutschland haben. In diesem Land sind „Altenheime“ Häuser, in denen Menschen mit zu starken Einschränkungen leben, als dass sie alleine in ihren Dörfern leben können. Menschen, die niemanden haben, der sich um sie kümmert oder für sie sorgt. Niemand, der an sie denkt. Zwar geben sich die Heimleitung und die Angestellten sehr viel Mühe, aber eine Familie können sie nicht ersetzen. Die meisten der Bewohner sind im Seniorenalter. Allerdings werden in der Ukraine auch Menschen mit körperlichen Gebrechen, Lähmungen oder Behinderungen in solche Heime gebracht. Seit Jahren unterstützt Vergiss-mein-nicht e.V. das Altenheim in Staroporetzk. Auch die Matratze, auf der Evgenia lag, konnten wir durch eine Spende an das Heim geben. Doch egal welche Art von Sachspenden wir mit ins Heim brachten - Dinge, die dringend benötigt werden und dort fehlen, wie Shampoo, Seife und Handtücher - viel mehr zählte, dass wir bei ihr waren. Dass wir für sie sangen, auf einer Sprache, die sie nicht verstand. Dass wir für sie beteten und fragten, wie es ihr geht. Wenn ich sage, dass ich gerne die Heldin dieser Geschichte wäre, dann muss ich bedauern, es nicht zu sein. Von dem Moment an, in dem wir das Altenheim betraten, schnürte es mir die Kehle zu. Ich konnte nicht singen – Bei jedem Wort stockte meine Stimme, ich rang nach Atem und Tränen schossen mir in die Augen. Ich konnte nicht für Evgenia oder einen der anderen Heimbewohner beten. Ich saß nicht an ihrem Bett, sondern weinend in einer Ecke des Zimmers. Vielleicht waren es die furchtbaren, wirklich schlimmen Umstände, unter denen diese alten Menschen leben. Vielleicht die Rührung und die Tränen, die sie weinten, während wir sangen. Vielleicht das Bewusstsein, dass es Menschen gibt, die nie gefragt werden, wie es ihnen geht. Und das Wissen darum, dass, wenn sie in einem Land wie Deutschland geboren worden wären, ihre Situation anders wäre. Wir haben Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. In Werkstätten können sie ihr handwerkliches Geschick einsetzen und in betreuten Wohnanlagen wird um sie gesorgt. Hier stand ich vor Menschen, die Tiefen erlebt hatten, die kaum vorstellbar sind. Und selbst im hohen Alter sind diese Menschen alleine. Immer wieder betonten sie, dass sie sich schon freuen, uns im nächsten Jahr wieder zu sehen, wieder singen zu hören. Evgenia verabschiedete sich mit den Worten „Du bist so hübsch und noch so jung!“ und sprach ein Segensgebet. Eine Frau, der ich nichts geben konnte, außer ein paar Lieder, die sie nicht einmal verstand, gab mir alles, was sie konnte.

Wir hatten kaum Zeit, die Erlebnisse des Vormittags zu verarbeiten. Als wir wieder in Nezabudka ankamen, warteten die Kinder schon gespannt auf uns. Jeder von uns hatte sofort mehrere von ihnen um den Hals fliegen und an der Hand. Wieder verbrachten wir mit ihnen Zeit mit Ballspielen und Pfadfinder-Workshops. Doch heute hatten wir auch die Gelegenheit einiger der Kinder zu Hause bei ihren Familien zu besuchen. Die Häuser, in denen die Kinder aufwachsen, sind sehr einfach. Meist lebt eine ganze Großfamilie auf engstem Raum. Mehrere Kinder müssen sich ein Bett teilen. Die Häuser sind so schlecht isoliert, dass bereits jetzt im April die Luft so stickig ist, dass dort kaum unbeschwert geschlafen werden kann. Im Grunde gingen wir ohne jegliche Erwartungen zu diesen Familien. Wir kamen in der Annahme nur wenige Minuten ins Haus schauen zu können. Doch alles kam anders: Als wir das Grundstück betraten, wurden wir mehr als herzlich, ja eher königlich empfangen. Die Mutter hatte für uns den halben Vormittag in der Küche gestanden. Wir wurden in das Wohnzimmer geführt, das gleichzeitig auch als Küche diente. In ihm stand ein kleiner Ofen, der mit Feuer beheizt wird, um zu kochen. Immer wieder betonte sie, wie dankbar sie für Nezabudka ist. Dass sie nicht wisse, was sie ohne es machen sollte. Ihre gesamte Wohnung war mit Möbeln eingerichtet, die wir gespendet hatten. Über Jahre hinweg konnte sie so ihr Haus einrichten – Mit Sofas, Betten uns Matratzen, die Jahr für Jahr mit kleinen Lastwagen in die Ukraine gebracht werden. Von den Familien bekamen allein wir all den Dank, der doch so viel mehr Menschen zu steht. Jedem einzelnen, der eines der Möbelstücke in den letzten Jahren, oder einen kleinen oder großen Geldbetrag gespendet hatte, jeder, der in der Vergangenheit mit auf diesem Ride in der Ukraine war. Doch wir bekamen ihn. Das ist so beschämend, dass wir kaum einen Bissen des aufwendig zubereiteten Festmahls herunterbekamen. Deswegen möchten wir diesen Dank mit euch teilen.

Wenn wir in diesem Blog von Helden erzählen, dann sind heute unsere Helden all die Menschen in Deutschland, die unseren Einsatz hier ermöglichen. Jeder, der diese Zeilen liest, ist unser Held. Ihr habt durch eure Spenden ermöglicht, dass Kinder Kleidung haben, Familien ein Bett, alte Menschen einen Moment der Freude. Ihr seid es, die einfach durch Teilen oder Weitergeben anderen dient. Und damit seid ihr ganz nah an Jesus. Denn alles, was wir für einen anderen Menschen – und in der Bibel heißt es für den Geringsten – getan habt, das habt ihr Gott getan.

Hier noch ein paar Fotos von heute:







Geschrieben am 06 Apr 2017 von Administrator
Ukraine RIDE 04.04.2017

Das Kinderheim von Ivanychi

Jeden Tag eine gute Tat – Das verbinden die meisten Menschen mit Pfadfindern! Doch wir als Royal Rangers haben einen anderen Leitspruch: Allzeit bereit für Jesus! Unter diesem Motto stand unser dritter Tag in der Ukraine. Am Vormittag haben wir das städtische Kinderheim besucht, welches im Zentrum von Ivanychi liegt. Obwohl die Kinder dort nach drei Monaten wieder Schule hatten, stürmten sie in der Pause alle zu uns raus. Vor allem merkten wir recht schnell: Die Kinder freuten sich über kleine Aufmerksamkeiten, wie zusammen rennen oder Fußball spielen. Obwohl die Verständigung schwierig war, schafften wir es letztendlich Teams für ein Fußballspiel zusammen zu stellen oder mithilfe von Mitarbeitern von Nezabudka Gespräche zu führen. Gestern lernten wir ja, dass es keiner gleichen Sprache benötigt, um miteinander liebevoll umzugehen. Das Kinderheim in Ivanychi beherbergt neun Monate im Jahr Kinder aus der gesamten Region, die unter prekären Verhältnissen aufwachsen. Es gleicht eher einer Art Internat, die Kinder haben zwar teilweise noch Familien, doch jedes von Ihnen hat bereits ein Schicksal hinter sich. Und genau so ein Schicksal führt uns zu unserem Held des Tages. Als sich unser Besuch langsam dem Ende neigte lernten wir Petje kennen. Als Baby wurde er von seinem alkoholkranken Vater aus dem ersten Stock eines Wohnhauses geworfen. Seit dem kann zwar stehen, aber kann keinen Schritt gehen. Er verpasste unseren Besuch, denn als wir ankamen war er auf seinem Zimmer – unvermögend heraus zu gehen. Als wir ankündigten bald zu gehen kam ein Junge angestürmt, wir müssten warten, er holt Petje. Erst als er nach einigen Momenten um die Ecke kam wussten wir wer Petje war: Der kleine ungefähr 8-jährige Junge hatte sich quer über die Schultern seinen Freund gelegt. Er war ein Kopf größer als er und somit auch deutlich schwerer. Aber ohne zu murren brachte er ihn zu uns mit den Worten „Das ist Petje, ich trage ihn seit fünf Jahren überall hin wo er möchte!“. Von den Erziehern erfuhren wir die Hintergründe der beiden Jungen. Seit dem ersten Moment im Heim waren die beiden Freunde. Eine Freundschaft, die unergründlich erscheint. Ein Junge der nicht laufen kann, wird getragen von seinem Freund. Tag ein Tag aus, seit Jahren. Wir hatten Süßigkeiten für die Kinder dabei, doch scheinbar bereits alle verteil als Petje von seinem Freund geschultert wurde. Wie durch ein Wunder hatte jedoch einer unserer Pfadfinderleiterinnen noch eine komplette Hand voll – Und Petje, der als letzter zu uns kam, nur durch Hilfe eines Freundes, bekam er eine komplette Ladung Süßigkeiten. Eine Geschichte, die wir nicht kommentieren müssen. Ein Held, der uns Erwachsenen Spurensucher die Sprache verschlagen hat. Nach einem emotionalen Abschied, bei dem es uns schwer fiel die Kinder aus dem Auto zu halten und selbst zu gehen, da uns die Kinder anbettelten noch zu bleiben fuhren wir mit gemischten Gefühlen zum Haus Nezabudka zurück. Unsere Gefühle schwankten zwischen Mitgefühl und Unfähigkeit die Situation der Kinder langfristig zu ändern. Als wir wieder in der Station ankamen, wurden wir von den Kindern, die früher Schulschluss hatten stürmisch begrüßt und umarmt. Da vor allem kleinere Kinder da waren, spielten wir Spiele, wie Fangen oder Huckepackrennen. Nachdem es langsam voller wurde, boten wir nach einem leckeren Mittagessen auch unsere Workshops an. Für heute war Kinderschminken und Luftballonfiguren machen, sowie Slackline laufen geplant. Obwohl es viele unterschiedliche Möglichkeiten für die Kinder gab sich zu Beschäftigen suchten sie immer wieder unsere Nähe und forderten uns zum Spielen auf. Da wir den ganzen Tag Sonnenschein hatten, konnten wir alle Aktivitäten draußen ausüben. Nach einem schönen, aber durch die viele Bewegung auch anstrengenden Tag, besuchte uns am Abend die Jugendgruppe, die von Mimi und Sascha geleitet wird. Zusammen verbrachten wir eine gute Zeit mit Musik, einer Andacht und Lagerfeuer. Obwohl es im Vorhinein sorgen über die Beschäftigung gab, hatte wir den ganzen Abend etwas zu tun und freuten uns, dass Jugendlichen so gut aufgenommen wurden. Da die meisten der Jugendlichen in die Schule gehen oder schon studiere, mussten wir den sehr schönen Abend schon um halb zehn beenden.

 

Hier noch ein paar weitere Fotos von heute:





Geschrieben am 05 Apr 2017 von Administrator
Bericht vom 03.04.2017

Dank der langen Busfahrt hatten wir alle eine sehr angenehme Nacht. Frisch und munter starteten wir am Montag mit einem typisch ukrainischen Frühstück: Wurst ohne Ende. Aber das macht den müden Pfadfinder munter und so konnten wir mit den ersten Aufgaben vor Ort beginnen. Das Nezabudka-Gebäude konnte seit dem letzten Besuch dank Spenden aus Deutschland erweitert werden. Das ist dringend nötig, da immer mehr Kinder am Programm teilnehmen. Der Erweiterungsbau dient in erster Linie dazu, eine Treppe in ein geplantes erstes Stockwerk bauen zu können. Aktuell fehlen die nötigen finanziellen Mittel um das erste Stockwerk auszubauen, aber wir sind zuversichtlich es irgendwann durch Spenden realisieren zu können.

Den ganzen Vormittag über bereiteten wir die Sachspenden vor: Für das örtliche Altersheim stellen wir Pakete mit Schokolade, Handtücher und Shampoo zusammen – Dinge die dort dringend benötigt werden. Auch die fünf Koffer voller Schuhe mussten sortiert werden. Es dauert nicht lange und der Aufenthaltsraum der Kinder glich einem Schuhbazar. Doch genau das war unser Plan. Als zum Mittagessen die ersten Kinder eintrafen stieg der Lautstärkepegel rapide an, denn immer wieder waren Freudenschreie über die Geschenke zu hören. Während des ganzen Tages war vor allem eines besonders eindrücklich. Wir hatten zwar einige Workshops wie Malen, Slackline laufen und Wikinger-Schach vorbereitet, doch all das brauchten die Kinder nicht. Das einzige was sie von uns wollten war unsere Aufmerksamkeit. Nur sehr wenige von uns sprechen oder verstehen Ukrainisch. Aber das war auch nicht nötig. Zwar plapperten viele der Kinder wild immer wieder auf uns ein und wir in unserer deutschen Sorgfalt konnten nur die Stirn runzeln – doch schlussendlich lernten wir, dass man nicht dieselbe Sprache sprechen muss um einem Menschen in Liebe zu begegnen. An diesem ersten Tag wurden alte Freundschaften wieder aufgelebt und neue begründet. Besonders deutlich wurde das durch die Geste eines der Jungen. Plötzlich stand er mit einem kleinen Hundewelpen im Garten und wollte ihn als Dank einer der Pfadfinderleiterinnen schenken. Auch wenn aus unserer Sicht das als unbedachte Geste erschienen mag, zeigt es doch die bedingungslose Wertschätzung der Kinder uns gegenüber. Wir wollten in diesem Blog von Helden berichten, von Helden erzählen und wie sie auf unser Leben wirken. Heute erlebten wir durch einen Hundewelpen was Heldentum bedeutet. Denn manchmal bedeutet ein Held zu sein, einfach nur bedingungslose Liebe zu zeigen.

Hier noch ein paar weitere Fotos von heute:





Geschrieben am 03 Apr 2017 von Administrator
Ride 2017

Die Reise geht los
Das ist die Geschichte von 13 christlichen Pfadfindern, die sich auf den Weg in die Ukraine machten. Wir besuchen dort Nezabudka, eine Kindertagestätte die von dem Verein  „Vergiss-mein-nicht e. V.“ getragen wird. Zwar sind wir nicht die Helden der Geschichte die auf diesem Blog zu lesen ist, aber sie wird aus unserer Sicht erzählt. Wer die wahren Helden sind? Das erfahrt ihr in diesem Blog. Aber so viel sei verraten: Unseren größten Helden kennt ihr schon.

Auf dem Weg nach Ivanychi
25 Stunden – die Zeit, die der Bus von Frankfurt am Main nach Lemberg in der Ukraine gebraucht hat. 25 Stunden, in denen wir mehr oder minder freiwillig zu Profis in ukrainischer Popmusik und dramatischen Liebesfilmen wurden. Verstanden haben wir zwar nichts, aber mitgesungen trotzdem. Ganz pfadfinderlike freundeten wir uns mit dem ganzen Bus an. Denn in unseren Kluften und Halstüchern waren wir das optische Highlight der Reisegruppe. Vielleicht auch ein wenig zu auffällig, denn an der polnischen Grenze zur Ukraine haben wir über eine Stunde gewartet um die EU verlassen zu können und mussten unter kritischen Blicken den Grenzbeamten erklären, warum wir in voller Pfadfindermontur und Kiloweise Schokolade munter Richtung Osten fahren.
Doch eigentlich begann das Abenteuer schon viel Früher: Wir würden gerne behaupten heldenhaft, im Morgengrauen mit Rucksack und Gitarre auf dem Rücken gestartet zu sein. Doch die Realität sah anders aus: Gepäckchaos am Morgen des 1. April, unscheinbar in Nebenstraße des Frankfurter Hauptbahnhofs. Dank zahlreicher Sachspenden reiste jeder von uns mit zwei Gepäckstücken voller Schuhe, Schokolade (man bemerke die Geruchskombination) und anderen dringend benötigter Hilfsgüter wie Zahnpasta oder Socken. Das brachte den Busfahrer erst einmal ins Schwitzen. Das Gepäck verladen glich einem Tetris-Spiel, doch schon hier merkten wir, dass unsere Reise wirklich gesegnet sein wird. Der Busfahrer gab uns ein komplettes Abteil für die Hilfsgüter und das obwohl der Bus bis auf den letzten Platz ausgebucht war. Da der Bus noch durch zahlreiche andere Städte in Deutschland fuhr, Marburg, Kassel, Göttingen, Erfurt, Halle und Leipzig war das ein echtes Wunder. Wir mussten sogar einmal alles umpacken, doch nie gab es Probleme mit unserem „Übergepäck“. Viel trug die Freude um unser verstautes Gepäck uns durch eine wirkliche anstrengende Busfahrt. Bei 25 Stunden in einem Reisebus, schmerzt selbst der jüngste Rücken und sämtliche Liege und Schlafpositionen wurden mehr als einmal ausgetestet. Doch genug des Gejammers, schließlich möchte niemand Geschichten von 13 christlichen Pfadfindern lesen, die Rückenschmerzen haben. Auch Probleme mit der Klimaanlage und der Toilette behalten wir lieber für uns. Denn feststeht: Als wir in Lemberg ankamen, war die Anreise schnell vergessen. Uns begrüßte Sonnenschein über einer wunderschönen Stadt. Um ein wenig im Land anzukommen gönnten wir uns einen Tag in der historischen Stadt. Und wir wurden nicht enttäuscht: Straßenmusiker sorgten für den passenden Groove und der Duft nach frischem Apfelstrudel stieg uns in die Nasen. Vor allem kulinarisch wird und Lemberg in Erinnerung bleiben. Zu Mittag aßen wir in einem idyllischen Restaurant, eingebettet zwischen der alten Stadtmauer und historischen Gebäuden. Den Restauranttipp hatten wir von Mimi, sie leitet die soziale Arbeit in Nezabudka und betreut einheimische Familien. Sie und ihr Ehemann Sascha führten uns durch die Stadt bis wir in kleinen Gruppen losstürmten um uns in Cafés zu entspannen und den Künstlermarkt zu erkunden. Doch eigentlich sind wir damit schon bei der ersten Heldin der Geschichte: Mimi. Vor 20 Jahren kam Mimi zum ersten Mal nach Ivanychi und war seit der Gründung Nezabudkas mit dabei. Inzwischen ist sie die Leiterin der sozialen Arbeit vor Ort. Gemeinsam mit ihrem ukrainischen Ehemann Sascha widmet sie ihr Leben den Menschen in Ivanychi. Jeden Tag stellt sie sich auf ein Neues den Herausforderungen des ukrainischen Landlebens: Im Winter geht die Temperatur auf bis zu 21 Grad Minus runter, die Infrastruktur ist sehr schlecht und die Region verarmt. Mimis Herz schlägt für Jesus und das trägt sie in die Region Ivanychi. Doch von Mimi werdet ihr noch mehr hören.
Als wir endlich gegen 20.00 Uhr kamen wir in Ivanychi an. Von den Mitarbeitern von Nezabudka und einigen Kindern wurden wir stürmisch begrüßt. Obwohl wir viel später als erwartet ankamen, wurden wir herzlich empfangen. Spätestens als uns Pelmeni, ein super leckeres ukrainisches Essen, aufgetischt wurde wussten wir:
Wir waren zu Hause angekommen.

Hier noch ein paar Fotos von heute:







Geschrieben am 03 Apr 2017 von Administrator
Glück

Щастя
(lit.: Schastija)

Heute Morgen verbringen wir nach dem Frühstück und der Morgenandacht unsere Zeit mit Kofferpacken. Mittlerweile hat jeder seinen Platz gefunden und werkelt, schwatzt oder spielt auf dem НЕЗАБУДКА-Gelände. Wir spüren den Zusammenhalt und die Freundschaft untereinander.
Von den Hauswänden strahlt uns farbenfroh die Lebensfreude entgegen. Vor dem glücklichen Kindergesicht machen wir zum Abschied ein Gruppenfoto. Es lässt Ivanychi und uns nicht vergessen, dass jedes Kind glücklich sein darf. Glück ist ein Grundrecht von uns allen.

Zusammenhalt, Frieden, Freundschaft, Hoffnung, Liebe, Glück - das bedeutet einfach:
Vergiss mein nicht

Hier noch 2 Gruppenfotos von uns (mit Klick auf das Bild in neuem Fenster groß öffnen):



Geschrieben am 09 Apr 2016 von Administrator
Liebe

Любов
(lit.: Lubov)



Leider ist uns auch wieder schnell bewusst, dass die Zeit rasend verfliegt. Heute ist der letzte Tag mit den Kindern.
Auf geht's! Nochmal im Kinderheim vorbeischauen und den Kindern unsere Abschiedsgeschenke überreichen. Dafür sind schon alle Päckchen gepackt, mit Süßigkeiten aller Art: Schokolade, Gummibärchen und Brause. Ganz geordnet kommen die Kinder klassenweise in den Speisesaal.
Als zusätzliche Überraschung warten über zehn Liter Waffelteig, die in unzähligen Waffeleisen, für die Kinder gebacken werden.

Wieder in der Station angekommen, beginnt das Nachmittagsprogramm mit den Kindern, die gerade mit der Schule fertig sind.
Alle in unserer Gruppe können den Unterschied zwischen den Kindern im Heim und in der Station erkennen. Wir stellen fest, dass in der Station ein Ort der Zuflucht, Geborgenheit und Liebe geschaffen wurde. Die Kinder dort, können jeden Tag kommen und es warten immer Menschen auf sie, die sie mit Liebe empfangen und sie in ihrem Alltag begleiten. Im Kinderheim dagegen suchen die Kinder leider oftmals vergeblich die Liebe der Betreuer und versuchen, wenn es sich anbietet, so viel aufzusaugen wie es möglich ist. Aber dafür sind wir natürlich immer zu haben.
Es sollten mehr Kinder aus dem Kinderheim nach der Schule in die Station kommen.
Am Nachmittag wird die Südseite der Station weiter verschönert. Hier können alle Kinder mithelfen und sich mit Sprühdosen weiter verwirklichen.
Nach einem ausgedehnten Nachmittag mit Programm und Ballspielen, Fangen und Basteln versammeln sich alle aus der Station im großen Aufenthaltsraum um sich zu verabschieden.
"Wir kommen nächstes Jahr wieder!"
"Wir werden euch nie vergessen!"
Die Abschlussrunde war sehr bewegend. Weinend aber auch lachend liegen wir uns in den Armen.

Es ist so traurig, dass wir wieder fahren müssen. Aber schön, dass es möglich ist, dass wir jedes Jahr wieder kommen können!

Hier noch einige Bilder:













Geschrieben am 09 Apr 2016 von Administrator
Hoffnung

Надiя
(lit.: Nadija)

Nach einem weiteren tollen Frühstück, ging es für die eine Hälfte unserer Gruppe auf den Markt, der nur mittwochs und samstags offen hat und unmittelbar am Kinderheim ist. Hier können vor allem die "Neulinge" die Kultur kennenlernen und entdecken, was es alles in Ivanychi zu kaufen gibt. Natürlich kann man es sich auf dem Rückweg nicht nehmen lassen während der großen Pause im Kinderheim vorbei zu schauen, um mit den Heimkindern Zeit zu verbringen und kleine Spiele zu spielen. 
Die andere Gruppe bereitet in der Hilfsstation parallel die Workshops für den Nachmittag vor, um den Tag für die Kinder mit Fußball, Fingernagel-Design und das kreative gestalten von Baumwolltaschen - mit: natürlich… Spraydosen zu ermöglichen. Hierfür können die Kinder mit Schablonen arbeiten oder einfach Freihand die Taschen gestalten um sie am Ende mit nach Hause zu nehmen. Hier ist es wieder einmal beeindruckend, wie lieb die Kinder miteinander umgehen, sich abwechseln und aufeinander achten, dass auch jedes Kind eine Tasche verschönern kann. An den Gesichtern kann jeder unschwer erkennen, dass sich die Kinder über ihre Taschen freuen. Am Abend findet ein großer kirchenübergreifender Gottesdienst statt. Die Pastoren Kolija und Tarass haben ergreifende Predigen für uns vorbereitet. Dazu singt Petja seine Lieder und erzählt uns seine Lebensgeschichte, die durch Kinderlähmung gezeichnet ist. Es ist so inspirierend, wieviel Hoffnung Petja trotz seinen Einschränkungen im Leben uns allen weitergeben kann.

Es ist eine sehr intensive Zeit. Danke an alle, die sich wieder so stark eingebracht haben. 

Wir werden die gemeinsame Zeit nie vergessen.

Hier noch einige Bilder:













Geschrieben am 09 Apr 2016 von Administrator
Freundschaft

ДРУЖБО
(lit.: Druschba)

Heute steht der Besuch im Altersheim an!
Wie jedes Jahr besuchen wir die Bewohner vor Ort, denn wir haben sie nicht vergessen.
Wir alle machen uns auf den Weg in das ca. 30-Fahrminuten entfernte Altersheim.
Im Gepäck dabei haben wir Подарки (lit.: Padarki, dt.: Geschenke) und natürlich eine Gitarre. Das Altersheim wird von den RIDElern jedes Jahr besucht.

Da die meisten leider nicht mehr gut zu Fuß sind, gehen wir von Zimmer zu Zimmer und singen ukrainische und deutsche Lieder.
Die Einsamkeit der Bewohner und die drückende Atmosphäre haben uns tief bewegt.

Am Nachmittag sind Workshops in der Station geplant. Hier können die Kinder nach der Schule und einem üppigen Mittagessen in der Kletterburg spielen, Nagellack designen oder die Ostfassade der Station im Graffiti-Style verschönern.
Alle machen mit und jeder kann sich einbringen.

Natürlich wird auch Fußball gespielt - und wir treten gegen die offizielle Fußballmannschaft von Ivanychi und die Fußballmannschaft aus dem Kinderheim an und wir gewinnen: Erfahrungen.

Heute Abend gibt es ein Come2gether in der Station.
Hier können wir uns austauschen, snacken und den Abend mit den Älteren aus der Jugendgruppe von Sascha und Mimi ganz gemütlich ausklingen lassen.

Was wir nicht vergessen wollen zu erwähnen, ist dass heute alle Kinder bei den Workshops super mitgemacht, sich gegenseitig unterstützt und aufeinander Acht gegeben haben.
Der Zusammenhalt - Зднання (lit.: Jednannija) - in der Station ist inspirierend tief und freundschaftlich.

Wir freuen uns auf Morgen.

Hier noch einige Bilder:















Geschrieben am 06 Apr 2016 von Administrator
Frieden

Unsere Gruppe ist komplett! Heute kommt die Vertretung des Stamms Marburg zu der RIDE-Gruppe dazu.
Gemeinsam packen wir die kleinen Geschenktüten, mit denen wir die Kinder der Station НЕЗАБУДКА (lit.: Nesabudka) und die Kinder im Kinderheim überraschen wollen. Alle Kinder sollen Schokolade, Gummibärchen und Luftballons als Abschiedsgeschenk bekommen.

Nachmittags machen wir einen Spaziergang ins Kinderheim, um dort gespendete Kleidung und Hilfsgüter zu übergeben. Heute ist der erste Tag nach den Osterferien und wir freuen uns, dass die Kinder im Heim gleich nach den Ferien mit neuem Spielzeug und Kleidung begrüßt werden können.

Wir haben die Räumlichkeiten des Kinderheims nicht vergessen. Bei den ersten Fahrten in die Ukraine wurden wir hier immer herzlich aufgenommen und konnten dort essen und übernachten.
Die Heimleitung zeigt uns die heutigen Schlaf- und Klassenzimmer, den Schulbetrieb und die Hausaufgabenhilfe. Im Vergleich mit früheren Besuchen sehen wir, dass die sehr kargen Schlafräume teilweise liebevoll durch die Initiative der Erzieher dekoriert wurden. Auch das Essen im Speisesaal sieht viel einladender aus.

Als wir wieder in der Station ankommen, strahlt uns ein blauer Himmel von der Hauswand entgegen. Wir sind ein bisschen erleichtert wieder in dieser heimeligen Oase anzukommen. Die Stimmung ist gelöst und friedlich. Wir spielen mit den Kindern und nutzen die letzten Sonnenstrahlen eines schönen Tages.
Was wir nicht vergessen können, ist, dass wir uns noch mehr Frieden für Ivanychi wünschen.

Hier noch einige Bilder:















Geschrieben am 06 Apr 2016 von Administrator
Zusammenhalt

ЄДНАННЯ
(lit.: Jednannija)

Es ist wieder soweit: Der internationale Hilfseinsatz der Royal Ranger macht sich auf den langen Weg zum Haus НЕЗАБУДКА (lit.: Nesabutka) in Ivanychi. Dieses Mal besteht die Reisegruppe aus Royal Rangern der Stämme Bensheim, Erzhausen, Heppenheim und Mühltal, aus alten Hasen und Neulingen.
Eine Besonderheit ist dieses Jahr, dass auch RIDEler, die bei den ersten Fahrten in die Ukraine dabei waren, mitkommen konnten. Da ist die Freude über das Wiedersehen auf deutscher und ukrainischer Seite groß. Die Teenager von damals treffen das herzliche Personal und lachen über alte Erinnerungen. Beeindruckend ist vor allem was für ein lebendiges Haus aus der einstigen Ruine geworden ist.

Wir wurden nicht vergessen - wie schön!

Das gemeinsame Abendessen stärkt zusätzlich den Zusammenhalt. Ehrenamtlich stehen die ukrainischen Damen zwei Tage lang in der Küche um uns zu verköstigen. Es gibt superleckere Pelmeni und sahnigen Kuchen. 

So viel Gastfreundschaft werden wir nicht vergessen. 

 

Geschrieben am 04 Apr 2016 von Administrator

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