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Ukraine RIDE 07.04.2017

Woraus Helden gemacht sind
Freitag, 7. April. Unser letzter Tag in der Ukraine. Ein unbeschreibliches Gefühl. Nicht unbeschreiblich schön oder schlecht. Einfach unbeschreiblich – schwer mit Worten zu umreisen. Traurigkeit gehört dazu, denn am liebsten würde wir länger bleiben. Noch mehr Zeit mit den Kindern verbringen können. Gleichzeitig entsteht diese Traurigkeit auch, weil wir gerne MEHR machen könnten. Noch mehr Kindern die Aufmerksamkeit und Zuneigung geben, die jedem Kind zu steht. Noch mehr für ihre Belange kämpfen, dort wo sie es nicht selbst können. Mehr von dem weitergeben und teilen was wir selbst haben. Doch auch Freude gehört dazu, darüber dass viele der Kinder kurz die Schule schwänzten, um unseren Bus hinterher zu winken. Freude, über die Zeit die wir mit ihnen verbringen konnten. Freude darüber, dass wir ihnen Dinge ins Herzen legen konnten: dass sie geliebt sind und wertvoll, dass es für sie Perspektiven gibt, fernab von Alkoholismus und Prostitution. Dass es Menschen gibt die sich für sie interessieren.

Mit diesem unbeschreiblichen Gefühl fuhren wir nach Lemberg, denn von dort startete der Reisebus zurück nach Deutschland. Zum Abschluss gönnten wir uns etwas Besonderes: ein Mittagessen in einem Erlebnistheater-Restaurant. In den ehemaligen Katakomben der Unabhängigkeitskämpfer konnten wir nur mit dem richtigen Passwort eintreten. Das verspätete Mittagessen wurde zu einem wahren Spektakel: Musiker und Sänger traten zwischen den Tischen auf und sangen von Freiheit und der Liebe zur Ukraine. Zumindest behauptet das unser Übersetzer, vielleicht sagen sie aber auch über Kartoffelpüree und Schuhcreme. Aber selbst wenn, schön angehört hat es sich. Wir konnten kaum essen, denn plötzlich wurde einer unserer Ranger abgeführt. Er wurde ist das Restaurant-eigene Gefängnis geworfen und solange zu seiner politischen Einstellung gegenüber Putin befragt, bis sich alle sicher waren, dass er kein „Verräter“ sei. Um 20.00Uhr sollte unser Bus abfahren, so hatten wir noch ein wenig Zeit die Stadt zu genießen. Doch sollte wird in diesem Land ganz großgeschrieben. Wir mussten beinahe zwei Stunden warten, bis der Bus kam. Zwei Stunden in denen wir erst alle gemeinsam in der Kälte warteten, bis wir schließlich in einem Minibus uns aufwärmen konnten. Getreu der ersten blauen Zacke unseres Rangersterns „wachsam“, stürzten wir uns auf den ersten sich nahenden Bus. Leider war es der falsche. Also trugen wir unser Gepäck wieder brav zur Sammelstelle. Aber unsere Wachsamkeit hatten wieder bewiesen. Endlich konnten wir gegen 22.00 Uhr losfahren da durchfuhr uns ein riesen Schock. In einer Durchsage erklärte der Busfahrer, dass keine Milchprodukte in die EU (deren Grenze wir nach einer Stunde Fahrt erreichen sollten) importiert werden dürfen. Oh. Schreck: Unser Vesper bestand mindestens zur Hälfte aus Käsebrote! Wir konnten keine Zeit verlieren, daher hieß es essen, essen, essen! Zumindest für einen Großteil unserer Reisegruppe, den wir davon überzeugen konnten, dass auch Käsebrote unter das Importverbot fallen. Und die Butterbrote. Denn an der Grenze wartete schließlich eine Vesper-Brot-Kontolle auf uns. Vermutlich wurde noch nie in so kurzer Zeit eine solche Menge Käse verzehrt…bis wir die Grenze erreichten und unsere vollen Mägen einen weiteren Schock erlitten, auch Wurstbrote dürfen nicht importiert werden. Na gut, das war zu viel des guten. Aber unsere vollen Mägen mussten wirklich einiges durchmachen, denn der gesamte Bus musste zur Gepäckkontrolle. Nachts um 1.00Uhr. Als wir das ganze Gepäck in den Raum gebracht hatten, mussten wir nur leider 1,5 Stunden warten, bis ein Beamter anfing Pässe und Gepäck zu kontrollieren. Doch das Ganze hatte einen Vorteil, denn so ein Grenzübergang hat Toiletten. Betrachten wir das ganze also einfach als eine ausgedehnte Pippi-Pause. Alles in allem waren wir über trotz dieser Verzögerungen nur 22 Stunden unterwegs, bis wir am Samstagabend in Frankfurt ankamen. An einer Nebenstraße mitten im Getümmel des Bahnhofviertels, ging unser Abenteuer zu ende. Neue Freundschaften waren geboren, alte bestärkt und eine eindrückliche Zeit vorbei.

 

Wir haben euch von Helden erzählt. Von Menschen die unser Herzberührt haben. Helden müssen tapfer sein, stark sein, groß und tadellos. Dann können sie Großes bewirken, so ist das zumindest in den Filmen. Aber bei unseren Helden ist das anders. Sie sind nicht perfekt, sondern Menschen wie Du und ich. Jeder Held hat eine besondere Eigenschaft. Etwas, das ihn dazu bringt sich auf eine besondere Art und Weise – eben heldenhaft – zu verhalten.

Das, was all unsere Helden auszeichnet ist die Liebe: Mimi, deren Liebe zu den Kindern in der Ukraine so groß war, dass sie ihr Leben in Deutschland für sie aufgab. Die Fähigkeit über die einfachsten Dinge zu staunen, ist heldenhaft. Petje und sein bester Freund, der an sich selbst als letztes denkt um seinen Freund durchs Leben zu tragen. All die Menschen die mit Spenden die Arbeit in der Ukraine ermöglichen, die freimütig teilen was sie haben. Die Mitarbeiter von Nezabudka, die selbst kein einfaches Leben haben und trotzdem jeden Tag opfern, um der nachfolgenden Generation etwas mehr Leichtigkeit zu geben.  All unsere Helden tragen eine Liebe in sich, die menschliche Grenzen übersteigt. Mit ihrem Handeln schauen sie nicht auf sich selbst, sondern auf andere. Wenn sie etwas erhalten, so teilen sie es.

Diese Liebe macht sie zu Helden. Sie setzt ein Potenzial in ihnen frei. Einen starken sich für andere einzusetzen. Wenn wir uns zu Helden dieser Liebe machen lassen, können wir wahre Wunder erleben. Wir müssen nur vertrauen zu gehen. Auch Du und ich.

Hier noch ein paar Fotos von heute:




 

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Geschrieben am 21 Apr 2017 von Administrator

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