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Ukraine RIDE 27.03.2018

An diesem Morgen steht das Altersheim auf dem Programmpunkt. Mit zwei Koffern gepackt und im Bus "Laurentia" singend und dabei fallend geht es los.
Der erste Raum war noch befremdlich… ein unangenehmer und drückender Geruch. Etwas, an das man sich gewöhnen muss. Menschen, die vor einem sitzen, die man teilweise vom Vorjahr kennt. Man hält die Luft an, traut sich nicht, einen weinenden Mann zu trösten oder zu berühren. Zwei Lieder, die die Stimmung fröhlicher scheinen lässt. Nur einer traut sich zu beten. Sie erhalten ihre Geschenke: Handtücher, Shampoos, Schokolade, Zahnbürste und Socken. Schnell geht es in den nächsten Raum. Verwunderung – zwei bekannte Frauen fehlen, statt ihnen drei Männer. Einer ist 50 Jahre alt und leidet unter Diabetes. Mittlerweile ist der erste Schock verdaut und die drückende Stimmung legt sich ein wenig… für den Mann wird gebetet. Er bittet um ein Wunder. Und wir machen ihm klar, dass Gott jemand ist, der mit uns mit leidet. Wir sind in unserem Körper gefangen, aber in Gott sind und werden wir frei sein.

Der uns bekannte jüngere Mann, der von einem Baum getroffen und seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt ist, zeigt uns das erste Mal sein Gesicht. Vor zwei Jahren bedeckte er sich noch vollständig mit seiner Decke vor Scham. Letztes Jahr sah ich nur seinen Hinterkopf und glaubte, dieses traurige Bild nie wieder vergessen zu können. Doch dieses Jahr war er halb aufgerichtet, sprach mit Maria und ließ erneut Gebet zu. Neben ihm die Hantel, mit der er die Arme trainiert. Vielleicht kann er irgendwann in die Reha. Vielleicht kann er sogar irgendwann wieder arbeiten. Träume dürfen in einem leben… und wenn sich jemand um den Papierkram kümmert und Geld da ist, damit wenigstens der Weg in Richtung Reha frei geräumt ist, dann dürfen Träume auch tatsächlich beginnen, gelebt zu werden. Dafür sind sie nämlich da. Nur leider verlieren viele Menschen sie zu schnell aus den Augen, wenn Hoffnungslosigkeit überwiegt.

Am Nachmittag wurden alle Kinder zusammengerufen, die im Sommer mit aufs Camp kommen dürfen. Die am Vortrag erlernten Knoten und Bünde konnten ganz praktisch bei dem Bau von Esstischen angewendet werden. Dies brachte den Kindern viel Spaß, die sich die Techniken gegenseitig erklärten und allmählich eine Vorstellung erhielten, wie die große Reise nach Deutschland aussehen könnte. Es war unglaublich für uns alteingesessene und allmählich abgestumpfte Rangerleiter, diese neue Motivation und Begeisterung für Bauten zu erleben. Danach wurde mit einem Video, Liedern wie Bärenstark oder Hula Hula Halleluja, einer Einführungsgeschichte und Erzählungen auf das Camp heiß gemacht. Sie haben mit einer unglaublich ansteckenden Energie und Euphorie gesungen und die Bewegungen nachgeahmt, was zur ersten echten Vorfreude aufs Camp führte. Aber was ist dort genau geplant? Mehr durch Zufall und ein halbes Missverständnis kam die Idee auf, die ukrainischen Kinder nach Deutschland einzuladen. Es grenzt an Wahnsinn und wie so schön gesagt „eine wirtschaftliche Katastrophe“. 30 Kinder und Jugendliche dürfen vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben die Ukraine verlassen. Sie wissen nicht, was kommt, wie es wird, wer sie erwartet, welche Eindrücke auf sie zukommen. Sie fragten selbst, ob es Insekten gäbe oder Handyempfang, ob wir auf einer Insel wären und wie es mit dem Schwimmen und Kanufahren aussieht. Einiges davon wissen wir selbst nicht. Aber wir vertrauen Gott, dass er trotz den Schwierigkeiten und Herausforderungen um die Organisation eine wunderbare Woche schafft und Erlebnisse, die all dies wert sind. Und allein dieses Treffen hat uns gezeigt, wie wundervoll die Begegnung zwischen Deutschen und Ukrainern sein wird. Wir, die nach Nezabudka kommen, erleben diese neue Welt und die Einzigartigkeit des Ortes. Durch das Camp können wir dieses Gefühl vielen weiteren zeigen und womöglich neue Ranger anstecken und Funken für den Ride entzünden.

 

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Geschrieben am 31 Mar 2018 von Administrator

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